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Twply oder warum man neuen Twitter-Diensten erst mal nicht trauen sollte

Januar 11, 2009 by  

twply-logo
Twitter, der wohl bekannteste Microbloggingdienst im Netz, birgt in letzter Zeit immer mehr Gefahren. Solltest du Twitter nicht kennen oder nutzen, ist dieser Artikel wohl eher nichts für dich.

Dadurch, dass Twitter selbst kaum daran arbeitet den Nutzern mehr Funktionen zu geben und dies sogenannten Third-Party Developern überlässt, geben die meisten Twitter-Nutzer ihren Benutzernamen und Passwort häufig bei vielen, nicht von Twitter entwickelten Programm und Webseiten ein.

Erst kürzlich, kam wieder solch ein vielversprechender Dienst auf den Markt: twply.com versprach nach Eingabe des Benutzernamens und des Passworts jedes @reply via E-Mail weiterzuleiten. Besonders für mobile Twitter-Nutzer mit Push-Mail ein Mehrwert.

Warum ich mich überhaupt anmeldete

Auch ich las in Twitter die Meldung; verbunden mit einem Link zu TechCrunch.com, einer englischen Tech-News Seite, der ich sonst viel vertrauen schenke. Dort wurde der Service kurz beschrieben, als gut befunden und verlinkt.

Trotzdem noch ein wenig skeptisch suchte ich den originalen Twply Twitter Account und fragte mal ganz offen nach, ob sie nicht vielleicht meine digitale Identität stehlen wollen

twply-twitter-verkauft-01

Innerhalb kürzester Zeit bekam ich eine Antwort

twply-twitter-verkauft-03

Man mag mich naiv nennen, aber nachdem TechCrunch darüber berichtete und twply so schnell “bestätigte”, dass sie meine Identität nicht klauen wollen und auch andere Menschen, denen ich followe darüber schrieben, meldete ich mich an.  Und da ich als iPhone User mit Push-Mail Funktion die Idee @replys via E-Mail zu bekommen so klasse fand, hab ich gleich begeistert darüber getwittert.

twply-twitter-verkauft-01

Wer sich anmeldete und die Option Twply beim ersten Login zu unterstützen aktiv ließ, sendete automatisch einen Tweet mit Twply.com Werbung an all seine Follower raus. Dem Dienst zugute halten, muss man aber, dass diese Option auch deaktiviert werden konnte.

Allerdings wurde auch mit keinem Wort beschrieben, wie diese Unterstützung aussieht und die ein oder andere Person, war sicherlich schockiert eine englischsprachige twply.com Werbung unter seinen letzten Tweets zu finden. Sicherlich auch ein Grund für die fast schon virale Verbreitung des Services.

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Aufgrund der Serverschwierigkeiten durch die hohe Nachfrage funktionierte der Dienst nicht mehr. Schnell kamen die ersten Meldungen auf, die mich etwas beunruhigten und mich meinen Tweet mit dem Link zu twply schnell wieder bereuen ließen.

Twply noch am selben Tag verkauft

Denn noch am selben Tag, an dem twply startete, wurde es auch schon online zum Verkauf angeboten. Die Auktion endete mit $1.200

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Als Grund für den schnellen Verkauf wurde angeführt, dass der Server die hohe Last und den Traffic nicht handeln konnte und sie nun nach einem Käufer suchten, der dies kann.

Viel schlimmer jedoch ist, dass in der Verkaufsbeschreibung folgender Text zu finden war:

The site currently has no revenue, but the site could do very well with ads within the emails. The emails with the @replys in them are designed to have html in them where you could add ads.

frei übersetzt:

Die Seite hat momentan keine Einkünfte, aber sie könnte diese sehr wohl mit Werbung in den Mails generieren. Die E-Mails, welche @replys beinhalten, werden im html Format verschickt, sodass Sie Werbung einfügen können.

Werbung erhalten möchte ich aber nicht, denn meine Zustimmung dazu habe ich nicht gegeben. Und noch schlimmer finde ich, dass irgendjemand für $1.200 alle Twitter Benutzernamen, Passwörter und auch noch die E-Mail Adressen kaufen kann, die sich bereits bei twply angemeldet hatten.

Und da soll man den Hinweistext vor der Anmeldung

twply-twitter-verkauft-05

noch glauben schenken?

Als ich das alles gesehen hatte, sendete ich natürlich sofort einen Tweet mit der Warnung, dass ich mein Passwort aufgrund von twply änderte.

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Was sich ändern muss

Twitter setzt so sehr auf die Nutzung der API, die es freien Programmierern erlaubt eigene Twitter Clienten und Programme zu entwickeln, dass sie eigentlich ein Authorisierungssystem entwickeln müssten, bei dem es nicht notwendig ist Benutzername und Passwort dem Drittanbieter mitzuteilen.

Ein bekannter Dienst, der das bereits macht ist der Foto-Sharing Dienst Flickr. Wer dort einer web 2.0 Anwendung oder einem Programm Zugriff auf seine Bilder geben will, muss sich erst autorisieren, bekommt also einen Link und muss dann Benutzername sowie Passwort auf der Flickr Seite angeben und die Freigabe bestätigen.

Ein solches System wäre auch für Twitter wünschenswert. Denn auf lange Sicht, werden die Twitter-Accounts mit hoher Followerzahl, auch immer interessanter für Kriminelle.

Die einzigen Tipps, die ich momentan geben kann, ist die Twitter Logindaten nur möglichst bekannten, viel genutzten Diensten anzuvertrauen und generell skeptisch sein, wenn die Eingabe dieser Daten gefordert wird. Auch ein gewisses Maß an Skepsis bei kurzen URLs, die zu Twitter Loginseiten führen ist geboten.

Bald: Twply Alternative

Die grundsätzliche Idee E-Mails für @replys rauszuschicken ist nach wie vor interessant und eine funktionierende Alternative zu twply gibt es bereits. Sogar ganz ohne die Eingabe des Twitter Logins. Wie das geht im nächsten Blogpost.

Kommentare

  • Klar ist sowas nicht gut. Aber ich nutze eigentlich nicht viele Dienste doch einige benutze ich auch und diese sinn dann auch wiederum recht hilfreich.

  • Klar ist sowas nicht gut. Aber ich nutze eigentlich nicht viele Dienste doch einige benutze ich auch und diese sinn dann auch wiederum recht hilfreich.

  • Eine solche Situation wird man nie vollständig ausschließen können. Leider.
    Wie verhält sich das eigentlich mit indeti.ca??

  • Eine solche Situation wird man nie vollständig ausschließen können. Leider.
    Wie verhält sich das eigentlich mit indeti.ca??

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